Donnerstag, 1. Mai 2008

Desillusionierte Betrachtung eines Kuchenbuffets

Ich hätte gerne ein Stück Kuchen. Nur irgendwie bin ich anscheinend zu spät dran. Warum das so ist kann ich mir selbst nicht erklären, denn ich find's durchaus noch früh genug. Nichts desto trotz stellt sich die Lage am Kuchenbuffet ungefähr wie folgt dar:

Auf den ersten Blick erscheint die Auswahl riesig. Da ich aber zugegeben wählerisch bin, kommen bei einem genaueren zweiten Blick schon weit weniger Kuchen in Frage. Und dann gibt's natürlich noch die Vorbestellungen, erkennbar am goldenen Bon auf dem Teller. Von denen lässt man besser die Finger, auch wenn einige der leckersten Stücke darunter sind: am Ende der zwangsläufig nötigen und energieraubenden Diskussion mit der Verkäuferin bekommt man sie ja doch nicht. Pure Zeitverschwendung.

Ich stehe also da und schaue mir die verbleibenden Stücke gründlich an. Und da! In der hinteren Reihe ist eins, was wirklich richtig lecker aussieht. Ein Sahneschnittchen wie es im Buche steht. Warum hab' ich das nicht sofort gesehen? Und warum ist so ein Bilderbuchkuchen nicht schon reserviert? Ich traue dem Braten nicht so ganz und werde vorsichtig... denn wie oft hat man sich schon Hoffnungen gemacht, die am Ende bitterlich enttäuscht wurden, nur weil die dämliche Verkäuferin vergessen hatte, diesen dämlichen Bon hinzulegen?!

Wäre es nicht vielleicht klüger, eins von den Erdbeertörtchen zu nehmen? Die sehen doch auch ganz lecker aus. Allemal besser als eine hart umkämpfte, sehr vielversprechende Schokotorte, die man überglücklich nach Hause trägt, nur damit sie beim ersten Bissen ein widerliches Bananenaroma offenbart. Mit Erdbeertörtchen passiert einem das nicht. Der Haken an der Sache ist: ich stehe nunmal einfach nicht so auf Erdbeeren.

Sonntag, 27. April 2008

Die junge Dame on the Rocks

Wenn man mir vor einem Jahr gesagt hätte, dass ich mich in nicht allzu ferner Zukunft in knapp 60 Metern Höhe an einen belgischen Felsen gebunden wiederfinde, den ich selbst hochgeklettert bin - dann ist das ein rein theoretisches Gedankenspiel, denn wer hätte dieser mit der Gabe des in die Zukunftschauens bedachter Jemand sein sollen? Eben.

Allerdings macht jenes Phantasiekonstrukt eines recht klar: in dem Moment, wo einem solche Sätze in den Sinn kommen, befindet man sich in einer Situation, von der man selbst nie und nimmer gedacht hätte, dass man einmal die Protagonistenrolle in ihr spielen könnte.

Für mich war dieser Moment gestern da. In dem ich gnadenlos überrascht war - von mir selbst und davon, wohin mich der Weg, den ich vor nicht ganz einem Jahr eingeschlagen habe, geführt hat: nach Yvoir zum Klettern. Das erste Mal unter freiem Himmel, bei strahlendem Sonnenschein, die Maas direkt nebenan.

Nun ja, werden Sie sagen, wenn sie schon so lange geübt hat, war's ja nur eine Frage der Zeit, bis sie auch draussen klettern kann. Sonderlich überraschend ist das nicht.
Nun ja, werde ich sagen, da haben Sie so gesehen Recht, aber das ist noch nicht alles. Ich habe in dieser Zeit nicht nur Klettern gelernt. Ich habe auch etwas über meine Angst gelernt:
Die eigene Angst zu überwinden ist keine einmalige Sache. Es ist vielmehr ein sehr zähes Immer-Wieder, das einen bisweilen frustrieren kann, weil viel zu oft der Gegner gewinnt. Jeden Millimeter des angstfreien Bereichs muss man sich hart erkämpfen und ebenso hart verteidigen, indem man an seine Grenzen geht - und darüber hinaus. Aber selbst darin erlangt man Übung und so härtet man ganz langsam, in unsagbar kleinen Schritten, ab.

Und dann - irgendwann...findet man sich in einer Situation wieder, von der man noch vor einem Jahr gedacht hat, dass man sich nie freiwillig in sie hinein begeben wird. Die Angst ist selbstverständlich noch da - aber nicht als beherrschende Kraft, sondern als ein recht erträgliches Mulmgefühl, an das man sich schon gewöhnt hat und gelernt hat, es in Schach zu halten.
Wenn dabei die schöne Aussicht, das vollkommen neue Gefühl am Fels zu klettern und die Konzentration, nicht in Eidechsen zu greifen, noch nicht genug Unterstützung bieten, dann lenken spätestens die pulsierenden Schmerzen in den Zehen, die sich unweigerlich einstellen, wenn man die Kletterschuhe nicht wie gewohnt nach einer Route in der Wand wieder auszieht, sehr wirkungsvoll davon ab.

Freitag, 18. April 2008

Plädoyer für bedachte Interpunktion

Es gibt tatsächlich Menschen auf dieser Welt, denen bedeutet ein Ausrufezeichen noch etwas. Diese Menschen setzen ihre Satzzeichen bewusst, sie denken über verschiedene Bedeutungen und Betonungen nach und treffen nach dieser Analyse eine gut begründete Entscheidung, was am Ende ihres Satzes stehen wird. Sie werden mir sicherlich zustimmen, wenn ich behaupte, dass ein Unterschied zwischen

Liebe Grüße,
M.


und

Liebe Grüße!
M.


besteht.

Im direkten Vergleich fällt das jedem auf. Das Problem beginnt im alltäglichen Schriftverkehr. Unter Zeitdruck, mit den Gedanken woanders, schreibt man eben schnell mal eine Mail und zack! haben sich die über die Tastatur fliegenden Finger entschieden, noch bevor der literarisch orientierte Geist seinen Senf dazu geben konnte. Egal - ab damit! und erledigt.
Der Lesende allerdings nimmt sich vielleicht ein wenig mehr Zeit. Er wird in seinem Kopf die Buchstaben zu Worten formen, diese wiederum zu Sätzen und ihnen eine imaginäre Betonung verleihen. Die natürlich auch davon beeinflusst wird, ob nun ein Punkt, ein Komma oder ein Ausrufezeichen dort steht.
Alle diese kleinen Zeichen tragen also entscheidend zum Gesamteindruck des Geschriebenen bei, zu dem, welche Bedeutung der Lesende in diese Worte legt. Vergessen Sie dies nicht, wenn Sie das nächste Mal eine Botschaft übermitteln! Und überlegen Sie gut, bevor Sie ein Ausrufezeichen verwenden.

Sonntag, 2. März 2008

Zum Ausprobieren

So ganz bin ich ja noch nicht vom letzten Beitrag weg. Thematisch meine ich.
Ich hätte jetzt auch über einen jungen Mann schreiben können, der sich heldenhaft geopfert hat, um ein junges Mädchen vor Prügeln zu retten, diese dann selbst einstecken musste, nebenbei noch das Examen bestanden hat und irgendwann (da bin ich lückenhaft informiert, ich gebe es zu) vorher einmal einem anderen Mädchen wohl so richtig das Herz gebrochen hat. Und außerdem ganz süß aussah trotz oder wegen des Klammerpflasters auf seinem Wangenknochen.
Aber seien wir ehrlich: wen hätte das schon interessiert?

Stattdessen biete ich Ihnen - falls Sie sich darauf einlassen und es auch durchhalten - die Antwort auf die Frage nach dem Zweck Ihres Lebens. Sie könnten es wohl auch Sinn des Lebens nennen, aber das klingt schon so abschreckend hochtrabend. Wie's geht beschreibt dieser Herr hier so:


Here’s what to do:

1. Take out a blank sheet of paper or open up a word processor where you can type (I prefer the latter because it’s faster).
2. Write at the top, “What is my true purpose in life?”
3. Write an answer (any answer) that pops into your head. It doesn’t have to be a complete sentence. A short phrase is fine.
4. Repeat step 3 until you write the answer that makes you cry. This is your purpose.


Was mich am meisten an dieser Sache gereizt hat war wohl, ob ich am Ende tatsächlich weinen werde. Was nicht allzu schwer ist, denn es braucht wirklich nicht viel, um bei mir die Tränchen kullern zu lassen.

Ich würde mich nun freuen, wenn Sie als experimentierfreudige - günstigstenfalls weniger nah am Wasser gebaute - Leser mir über Ihre Erfahrungen berichten. Das wäre allerliebst von Ihnen. Ich habe übrigens doppelt so lange gebraucht wie Mr. Pavlina, aber nicht einmal halb so viele Antworten produziert. Es ist also eine sehr individuelle Sache. Schluchz.

Samstag, 16. Februar 2008

GTD4W

Some time ago, someone introduced me to David Allen and his kind of famous Getting Things Done method.
Since then I cannot help but stumble across some of this whole productivity, time and self management stuff quite regularly. Because there is so much of it out there. Being me, I have not even made it through a fraction of it - but already got the impression that a very important aspect is missing. We'll get there soon.

First let me answer the question which is probably in your head since you started reading: why is she not writing in German as usual? On the one hand, everything I've read on this subject up to now has been in English, so it feels quite familiar this way. On the other hand, why not give it a try for a change? That is, apart from my strange vocab usage, of course.

So...what is this whole thing about? I would put it this way: Mr. Allen and his fellows are showing ways to make the most and best of your time. And to actually gain some more by applying a few simple principles.

Personally, I used to think that some well-used common sense and my mother's saying 'Lazy people must be clever' got me through quite well. And guess what? Reading all these articles, I actually recognized some of my intuitively established ways to manage my chaotic self. If furthermore the respective article is titled, let's say Time Management for Smart People - well, I admit that the author has a significant amount of my sympathy on his side.

But further going in for the matter, I had also to admit that I have a problem: I am a woman. Inherent you say? Not quite.
For a woman, my dearest productivity gurus, it is not as simple as Getting Things Done. We have to get things done looking beautiful. Which means, for example, that if we actually manage to get up half an hour earlier than usual, we loose 10 of these painfully gained, precious minutes almost instantly in the bathroom trying to conceal our two personal copies of the Mariana Trench. The average man I dare say simply does not care about that sort of thing.
Which is probably already the explanation why I could not find a single sentence about a trade off between productivity and beauty: all authors I know of are men. But I'm not giving up hope that some day, I will stumble across such a thing as Getting Things Done for Women. Meanwhile, I will settle for my personal solution of gaining 10 minutes in the morning: having my hair cut shorter.

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