Dienstag, 5. Februar 2008

Sahne. Punkt.

Es ist schon ein kleines Weilchen her, da standen sich eine junge Dame und ein junger Herr sehr irritiert gegenüber, nur getrennt durch die Theke einer bekannten Kaffeehauskette, und starrten sich ungläubig an.

Folgendes hatte sich nur wenige Sekunden zuvor zwischen den beiden ereignet:

Er Eine weitere Bestellung an einem langen Tag voller Bestellungen...: Was darf es für Dich sein?

Sie Sanfte Vorfreude auf den heißen Becher verspürend...: Eine Schokolade mit Karamelaroma.

Er Eine weitere Bestellung näher am Feierabend...: Ohne Sahne.

Sie Leicht irritiert ob seiner Aussage, die in ihrer Welt doch vielmehr eine Frage hätte sein sollen: Nein. Mit.

Er Ansatzweise ungläubig, aber insgeheim sicher, sich verhört zu haben (es war schließlich ein langer Tag): Mit?

Sie Zugegeben vollends irritiert, aber noch nicht ganz von der Rolle den Blickkontakt suchend und in zwei Silben die stumme Frage legend, was denn nicht stimme (auch ihr Tag war schließlich lang): Jahaaaa...?

Er Nun zur visuellen Bestätigung des akustischen Eindrucks aufblickend und zum ersten Mal sein Gegenüber wahrnehmend: Echt???

Sie Entschlossenes Nicken, darin den einzig verbleibenden wirkungsvollen Ausweg sehend, ihm die anscheinend so schwer verdauliche Botschaft doch noch näher zu bringen: Hmhmm...

Er Anerkennend murmelnd: Cool.

Während seine Irritation inzwischen längst verflogen sein dürfte, überlegt sie nun bei jeder Bestellung in eben jenem Kaffeehaus, ob sie denn tatsächlich das einzige weibliche Wesen auf dieser Erde ist, das seine heiße Schokolade mit Sahne trinkt oder welche Gründe sonst für den geschilderten Dialog verantwortlich zeichnen könnten.

Sonntag, 27. Januar 2008

Chalk is in the air

Arm

Gestern fanden in meiner Haus- und Hofkletterhalle die Soul Moves statt. Dabei handelt es sich um einen recht entspannt aufgezogenen Wettbewerb, bei dem die Teilnehmer im Idealfall 35 Boulder bezwingen.
Ein Boulder hat markierte Griffe und Tritte, wobei Start sowie ein Zwischen- und der Endgriff speziell gekennzeichnet sind. Man lege also seine Hände an den Start, setze die Füße und versuche dann entgegen aller physikalischer Widerstände, das Ziel zu erreichen. Dies kann je nach Schwierigkeitsgrad des Boulders noch durchaus machbar oder schier unmöglich erscheinen.

Zur Grundausrüstung gehören neben Kletterschuhen zwei Dinge: Chalk und Zahnbürste. Diese beiden Hilfsmittel können signifikant dazu beitragen, mehr Halt zu bekommen. Chalk und seine Wirkung dürfte selbst weniger devoten Anhängern des Geräteturnens bekannt sein. Die Zahnbürste dient dazu, die Griffe von den Chalkspuren zu reinigen, die die vielen Hände, die vor einem selbst dort ruhten, hinterlassen haben. Denn zuviel des Guten kehrt auch hier die erhoffte Wirkung um.
Hook

Für mich war dieser Tag mit zwei bemerkenswerten Erkenntnissen verbunden. Erstens habe ich nicht gewusst, wieviel Chalk in der Luft fliegen kann, ohne dass man erstickt (das sind übrigens die reflektierenden Partikel auf dem Foto oben) und zweitens sind wohl nirgends soviele putzende Männer zu finden wie in einer Kletterhalle.

Donnerstag, 17. Januar 2008

Café bizarre.

An einem tristen Tag irgendwann in den vergangenen Monaten geschah es: der Bürokaffeeautomat erstarb unter einem letzten dramatischen Aufbäumen angesichts einer widerspenstigen Bohne in seinem Mahlwerk, welches in einem höchst grässlichen Knirschlaut in Verbindung mit einer Art Todesschrei seinen Ausdruck fand. Danach herrschte Stille. In der Maschine - und auch im gesamten Büro.

Die Kaffeekonsumenten trösteten sich gegenseitig mit dem Gedanken, dass sie nun an einem viel besseren Ort sei. Mit ausschließlich gehorsamen Kaffeebohnen und jederzeit gefülltem Wassertank. Da jedoch noch keiner jemals allein von dem Gedanken an Kaffee wacher geworden ist, musste ein Nachfolger her, welcher - ich will es gleich vorwegnehmen - als Provisorium gedacht noch immer bei uns weilt aus Gründen, deren Komplexität mich leider nachhaltig von einer Schilderung derselben abhält.

Dieses Provisorium, seines Zeichens eine normale Kaffeemaschine, in die man einen Papierfilter einsetzt, Kaffeepulver und Wasser einfüllt, sodann die Kanne darunter stellt und den An-Knopf betätigt, um geschätzte 15 Minuten später eben jene Kanne mit wunderbarem Kaffee gefüllt vorzufinden, scheidet endlich die Spreu vom Weizen. In diesem Fall die Virtuosen des Kaffeekochens von den Dilettanten.

Mit jedem neuen Liter werden nun in unseren Räumen gutturale Flüche, anerkennende Brummer, erleichterte Seufzer oder verbissenes Zähneknirschen hörbar. Je nachdem, wer das unbekannte Instrument in der Küche bediente. Nie habe ich so oft die diversen Klassifizierungen für Kaffee nach seiner Dichte gehört wie in den letzten Wochen: Blümchen-, Bodensee- und Stehkaffee waren es allein heute. Auf diese Eröffnungsäußerungen folgen gemeinhin nicht eben anerkennende, bisweilen sogar unfreundlich zu nennende Worte zu der Person seines Erschaffers.

Mussten nicht in früheren Zeiten sogar schon Menschen ihr Leben lassen für einen schlecht gekochten Kaffee? Ich halte diese These inzwischen für gar nicht mal so abwegig. Es heisst ja bestimmt nicht umsonst, Tee zu trinken sei gesünder. In diesen Tagen und in diesem Büro ist es allemal entspannter.

Dienstag, 15. Januar 2008

Die junge Dame woanders

Ende des letzten Jahres war jemand so nett, mich zu sich nach Hamburg einzuladen. Da ich von dieser Stadt bisher nur Elbtunnel und Hauptbahnhof von innen gesehen hatte, war ich entzückt über diese Idee und machte mich am Donnerstag letzte Woche auf die Reise...

...um sehr beeindruckt zu werden von dieser Stadt, und das, obwohl sie mit ihrer als Konkurrenz zur Oper von Sydney gedachten Elbphilharmonie doch ein wenig größenwahnsinnig erscheint. Trotzdem - sie bleibt liebenswert-charmant.

Das sage ich nicht nur, weil ich dort die besten Crêpes meines Lebens essen durfte. Wo sonst findet man inmitten von Kneipen, Bars und Clubs einen Bauwagen, in dem fabulöser Jazz gegeben wird? Falls Sie jemals das Schanzenviertel mit Ihrer Anwesenheit beehren, statten sie dem Bauwagen doch auch mal einen Besuch ab. Entgegen der kursierenden Gerüchte gibt es dort sogar eine Toilette - die stellt schon ein ganz eigenes Abenteuer dar.
Und wenn das offizielle Programm noch nicht angefangen hat und Sie noch allein mit Ihren Begleitern dort sitzen, dann lassen Sie sich vielleicht ebenfalls dazu hinreissen, Ihre Fingerabdrücke auf dem dort ansässigen Klavier zu hinterlassen.

HH-Bauwagen-Klavier

Montag, 31. Dezember 2007

What a difference a day makes.

Morgen wachen wir auf und finden uns in einem anderen Jahr wieder. Natürlich. Es weiß jeder, dass die Silvesternacht eine besondere ist.

Aber daneben gibt es doch noch die anderen Tage im Jahr, die nicht den Zählerstand der Menschheitskilometer n.Chr., sondern unser Leben, uns selbst verändern. Wir wissen nicht, ob wir am nächsten Morgen glücklich oder traurig aufwachen. Es sind Tage der Entscheidung. Mit großen Hoffnungen, vielen Erwartungen, die entweder ihre Erfüllung finden oder die bitter enttäuscht werden.
Manchmal wünschen wir uns auch, dass sich eben nichts ändert. Dass wir einen Tag später noch genau dasselbe Leben, mit all den Menschen, die uns lieb sind, führen können wie in diesem Moment.

Natürlich sind da auch Veränderungen, die eben nicht von heute auf morgen stattfinden. Die viele Tage brauchen, bis sie vollbracht sind. Tage, die wir ihnen geben müssen - egal, ob es uns passt oder nicht. Wir können nur akzeptieren, dass es so ist. Und darauf vertrauen, dass jeder Tag, der vergeht, uns unserem Ziel ein Stück weit näher bringt. Auch, wenn wir die einzelnen Schritte dorthin nicht wahrnehmen können, weil sie viel zu klein sind. Jeder Schritt, jeder Tag leistet seinen Beitrag und verändert etwas.

What a difference a day makes? Die Antwort darauf liegt wohl bei uns selbst. In den letzten Minuten eines Jahres nehme ich mir gewöhnlich einen Moment Zeit und versuche, meine zu finden.

User Status

Du bist nicht angemeldet.

Woanders im November

Erst neulich

Schreiben Sie
die Äußerung bitte meinem intellektuellen Unvermögen...
Fabrice Pi (Gast) - 26. Nov, 01:04
Pfui??
In meiner Vorstellung gibt es ja viele Ausdrücke, die...
Die junge Dame - 17. Dez, 10:14
Hört hört!
Ja pfui! Wer macht denn sowas? Hoffentlich hört man...
Fabrice Pi (Gast) - 16. Dez, 19:33
Das Ende.
Der Abschied ist genauso schwer, nein, noch schwerer...
Die junge Dame - 16. Dez, 10:01
Ich gebe mir Mühe. Für...
Ich gebe mir Mühe. Für alle, denen nicht so ganz klar...
Die junge Dame - 5. Dez, 19:56
Was war denn nochmal...
Adventszeit. Zeit der Ruhe, des zur Ruhe Kommens, des...
Die junge Dame - 5. Dez, 19:47

Archiv

Juni 2026
Mo
Di
Mi
Do
Fr
Sa
So
 1 
 2 
 3 
 4 
 5 
 6 
 7 
 8 
 9 
10
11
12
13
14
15
16
17
18
19
20
21
22
23
24
25
26
27
28
29
30
 
 
 
 
 
 
 
 

Suche

 

Status

Online seit 7209 Tagen
Zuletzt aktualisiert: 26. Nov, 01:04

Allerlei

Knallgrau New Media Solutions - Web Agentur f�r neue Medien

powered by Antville powered by Helma

kostenloser Counter

twoday.net

Meine Wenigkeit, die Autorin, macht sich die Inhalte verlinkter Seiten nicht zu Eigen und distanziert sich hiermit ausdrücklich von diesen. Des Weiteren stehen, sofern nicht anders angegeben, alle Inhalte dieser Seite unter folgender Creative Commons License.

Creative Commons License